19.09.06 21:34 Alter: 7 Jahre
Die Buchung und die Proben für die "Reise zum Mittelpunkt" haben begonnen
Kategorie: Tageszeitung
Von: Hannes Fehringer
OÖ Nachrichten, 19. 9. 2006 - HAAG. Der Theaterkeller ist Baustelle. Ein Bohrloch führt am 6. Oktober bei der Spätpremiere des Theatersommers frei nach Jules Verne zum Mittelpunkt der Erde. Riesenfarne und Saurier visualisiert das Future Lab der Ars Electronica.

Die Crew Adriana Zartl, Manfred Dungl und Michael Kuttnig übt das Animationsprogramm ein. Foto: feh
Ganz Stadt Haag ist derzeit eine Baustelle: Am Hauptplatz knattern die Presslufthammer, die Steinleger betten das neue Pflaster in Sand und Mörtel. Auch im Keller des Gasthauses
Wagner wird gesägt, gehämmert und gepinselt an einer Raumkapsel. In der Röhre werden am 6. Oktober 88 Tiefereisende von Kapitän "C.Man O'Man" (Michael Kutting) zum Erdkern und darüber hinaus ans andere Ende der Weltkugel in einer 58-Minuten-Reise kutschiert. Manfred Dungl, der Jules Vernes Klassiker für eine Verschmelzung von Poesie und Volksbelustigung wie in einem Themenpark aufbereitet hat und als "Ing. Theo Lidenbrock" einen Nachfahren des legendären Professors den Scotty gibt, der die Leute in neue Galaxien beamt, probt am Stammtisch unter dem Herrgottswinkel die Texte. Adriana Zartl ist als "Miss Angie Proper" das dritte Crewmitglied, das für die Annehmlichkeiten bei der Reise sorgt. "Wir haben für diese Abenteuerreise eine eigene ,Jules Verne Enterprises Ltd.' gegründet", sagt Intendant Adi Hirschal.
Der Haager Theatersommer, wegen der Hauptplatzbaustelle räumlich in den Keller und zeitlich in den Herbst versetzt, will keine Zuhörer, sondern Mitmacher. In einer Kooperation mit dem "Future Lab" der Linzer Ars Electronica und mit einem Zweijahresbudget von einer Million Euro wird Jules Vernes Phantasiewelt durch die virtuellen Mittel des Cyberspace umgesetzt. Die Fluggäste, die sich mit der Raumkapsel "Screw II" im Zeitraffer durch den Planeten fräsen, werden über einen Großvideoschirm und vier Flachfernsehern wie bei einer Zugreise aus dem Fenster sehen. "Nur dass es fiktive Bilder gibt. Wenn man durch die Erde reist, kann man keine Landschaftsfilme einblenden", sagt Hirschal.
Nächstes Jahr geht die Reise vom Erdkern wieder auf den Haager Stadtkern. Auf dem neuen Hauptplatz wird wieder die Tribüne aufgeklappt, dann jagen Hirschal und der Haager Theatersommer "in 80 Tagen um die Welt". Abermals soll die Einbindung der virtuellen Bilder des "Future Lab" neue Eindrücke vom Theater schaffen. Hirschal will noch nicht sagen, wie lange die Kooperation mit den Linzern gehen wird: "Sicher aber ist, dass mit diesen zwei Produktionen die Möglichkeiten nicht ausgereizt sind."
Tickets: reservierung(at)theatersommer.at