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09.10.06 12:50 Alter: 6 Jahre

Tunnelblick: „Die Erde ist in uns”

Kategorie: Tageszeitung

Von: Hannes Fehringer

OÖ Nachrichten, 9. Oktober 2006, Seite 10 - Bei der „Reise durch den Mittelpunkt der Erde” werden keine Heizmatten verkauft. Eine virtuelle Abenteuerfahrt durch ein Kraterloch unter dem Haager Theaterkeller ist ein unterhaltsamer Selbsterfahrungstrip ohne Tiefschürfwunden.

Die Crew bittet zur phantastischen Reise zum Mittelpunkt der Erde, das Future Lab gestaltet mit. Foto: fuka

Der Amerikaner Dennis Tito hat sich als erster Weltraumtourist in die Erdumlaufbahn schießen lassen - aber damit braucht der Millionär nicht anzugeben: In Stadt Haag bietet neuerdings das Reiseunternehmen „Jules Verne Enterprises Ltd.” in einer Bohrkapsel mit 88 Plätzen eine einstündige Traumreise durch den Erdkern.

Weil in der Mostviertelstadt zur Neugestaltung des Hauptplatzes die Presslufthämmer knatterten und Pflastersteine gelegt wurden, blieb heuer die legendäre Festivaltribüne eingeklappt. Intendant Adi Hirschal beamte den Theatersommer räumlich und zeitlich in den Theaterkeller zurück, in dem ein Zweijahreszyklus über Jules Verne am Freitag Premiere hatte.

Viel Humor und Wikipedia
Das Unterfangen beginnt im Stimmengewirr einer Reisegruppe, die ihre Tickets griffbereit hält. Hektik wie an einem Flugsteig, Lautsprecherdurchsagen: Durch die Menschenmenge wuseln Kapitän „Man O'Man” (Michael Kuttnig), Stewardess „Angie Proper” (Adriana Zartl) und der Bordtechniker und Nachfahre des Professors, „Theo Lidenbrock” (Manfred Dungl).

Dungl hat als Autor die Vorlage von Jules Vernes Romanklassiker für ein erstklassiges Skript nicht nur mit Wikipedia-Lexikonwissen angereichert.

Der Theaterkeller ist zum Raumschiff umgebaut, das in befreiender Schwerelosigkeit zwischen Ernsthaftigkeit und Humor schwebt. Die Energie liefern die Reisenden selbst, indem sie wie beim Managerseminar „Mmmhh” brummen. Als der Bienenschwarm laut genug summt, malmen sich Bohrköpfe durch das Kraterloch. Den Vortrieb macht das „Future Lab” des Linzer Ars Electronica Centers auf einem Hauptschirm und vier Luken sichtbar. Felsen wandeln sich in der Tiefe zu Kristallen, dann tauchen Riesenpilze auf und eine Meeresbucht. Zwischendurch verteilt die Crew Bio-Jausensackerl und hält die Gesellschaft bei Laune. „Die Erde lebt, sie ist in uns und wir sind in ihr”, trällert die Besatzung.
Beim Bordverkauf verscherbelt Hirschals Regie keinen gedanklichen Ramsch, sondern Markenware. Das Abenteuer ist nicht billig, weil es Poesie und Atemzüge der Besinnlichkeit gönnt. Dann schubst ein Saurier die Bohrkapsel aus dem „Meer der Mitte” in einen Wasserstrudel. Wie bei einer Möbiusschleife, wo oben zugleich unten ist, endet die Reise flugs auf einer Südseeinsel. Die Suche nach der Mitte der Welt, wenn man will, die eigene Nabelschau, geht an der Oberfläche weiter. Fortsetzung, „In 80 Tagen um die Welt”, folgt im nächsten Jahr ...

Weitere Flugtermine: Fr, Sa, So bis 4. Februar 2007, Tel. 0 74 34 / 44 6 00, www.theatersommer.at